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Cycling Experience Design

Um echte Erfolge zu erzielen, müssen wir das Radfahr-Erlebnis zum Hauptgegenstand erheben.

mods:// 5 Minuten

Vor nicht allzu langer Zeit lautete ein Tweet: »The second hardest thing about minimum viable products is that while you decide what’s minimum, the customers determine if it is viable.«Und tatsächlich: Die Radverkehrsplanung kann ein Lied davon singen, dass ihre Angebote regelmäßig nicht genutzt werden — weil die Nutzer sie schlicht für nicht brauchbar befinden. Im Nichts endende oder zugeparkte Radwege, viel zu wenige Abstellanlagen oder generell zu wenig Fläche zum Abstellen, Schwindel erregende Verkehrsführungen oder auch von parkenden Pkw verbaute und deshalb unzugängliche Haustüren künden davon, dass es kaum eine echte Verbesserung vom punktuellen politischen Aktionismus aus bis auf die Straße schafft. Das Ergebnis: Immer weniger Menschen fahren regelmäßig Fahrrad, und das noch dazu häufig auf Gehwegen.

Kritischer Systemfehler

Das Leitbild der ›Radverkehrsförderung mit System‹ erweist sich bei näherem Blick als erschreckend unsystematisch, zusammenhangslos und wenig hilfreich. Die Begriffe ›Infrastruktur‹, ›Information‹, ›Kommunikation‹ und ›Service‹ taugen zwar als Beschriftungen für die Schubladen in einem Aktenschrank. Doch sie denken den Radverkehr jeweils isoliert und vom Angebot her und bieten weder analytische noch planerische noch messende Schnittstellen zu den realen Erlebnissen der radfahrenden Menschen. Im Vergleich mit diversen anderen Disziplinen, die die Gewohnheiten ihrer Kunden allein schon mit guter Gestaltung prägen, nimmt die hiesige Radverkehrspolitik sich aus wie eine eingeschüchterte Selbsthilfegruppe, deren Therapie darin besteht, im Flüsterton Führungsformen und Regelmaße rauf- und runterzubeten. Die ›Radverkehrsförderung mit System‹ erfüllte ihren Zweck zu ihrer Zeit ganz gut, als es darum ging, Radverkehr in der Politik überhaupt erst bemerkbar zu machen, ihn aus der kollektiven Verschwiegenheit zu befreien und im Handeln der örtlichen Gemeinschaften zu etablieren. Doch das Leitbild wappnet uns nicht mehr für die anstehende Auseinandersetzung um Ressourcen wie Zeit, Geld, Raum und Aufmerksamkeit; insbesondere dann nicht, wenn wir unserem Anliegen Geltung verschaffen wollen mithilfe einer Währung, über die wir bislang nicht verfügen: Erfolg.

Der wird sich erst dann in nennenswertem Umfang einstellen, sobald wir das Radfahr-Erlebnis, also die User Experience, zum höchsten und zuallererst zu erstrebenden Wert der Radverkehrsförderung erklären. Deshalb nennen wir die ab jetzt ›Cycling Experience Design‹: Radverkehrsförderung als Aufgaben- bzw. sogar Berufsfeld sollte künftig darin bestehen, alle Aspekte zu ordnen, miteinander zu verzahnen und so zu einem strategisch konsistenten Prozess zu integrieren, dass nicht nur jedes einzelne Element, sondern auch die durch Interaktionen miteinander entstehenden Synergien maximal auf das Radfahr-Erlebnis einzahlen. Nicht jede Maßnahme muss das direkt leisten, solange sie trotzdem in einem Gesamtzusammenhang steht. Leider vermag die aktuelle Radverkehrspolitik in den meisten Fällen nicht einmal zu sagen, ob ihr Handeln überhaupt zu Veränderungen beiträgt, und sei es auf indirektem Wege. Wenn beispielsweise ein Verein förderwilliger Kommunen kurz vor seinem silbernen Jubiläum die tödliche Gefährlichkeit der Hauptstraßen in einer ihrer Mitgliedsstädte audiovisuell zelebriert, haben vermutlich viele Personen in vielen Diskussionsrunden über beinahe zweieinhalb Jahrzehnte hinweg viel Zeit verbracht. Ihr Anliegen vorangebracht haben sie dagegen nicht. Mission failed. Cycling Experience Design will genau das Gegenteil erreichen: Am Anfang jeder Handlung steht die Frage, welcher Aspekt des Radfahr-Erlebnisses in welchem Maße verbessert werden soll.

Radverkehr als Erlebniswelt

Statt aber Radverkehrsförderung wie bisher in Maßnahmen und verausgabten Mitteln zu messen, die bisweilen, obwohl sie sogar im selben Papier stehen, völlig ohne Zusammenhang zueinander bleiben, gilt es nun, die Cycling Experience bzw. das Radfahr-Erlebnis einmal im generellen Modell und dann auch in jedem speziellen Fall zu durchdringen und alle Ressourcen und Vorgehensweisen daran auszurichten.

spitzenkraft.berlin arbeitet aktuell an der Konzeption verschiedener Modellbestandteile.

  • Typ: Modell
  • Auftraggeber: Eigenprojekt
  • Laufzeit: seit 2019
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Analyse, Konzept, Modell, Plan

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