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Formelzeichen UX

Modelle bieten einen guten Adapter für die Realität. Auch das Radfahren lässt sich hervorragend modellieren.

mods:// 4 Minuten

Die Diskussion über Mobilität bietet, egal wo, von wem und in welchem Kontext sie geführt wird, regelmäßig zwei Muster: Die Teilnehmer stellen entweder fest, dass eigentlich alles mit allem zusammenhängt und folglich alle gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Akteure gefordert sind, daran mitzuwirken, und zwar zeitgleich und mit Vollgas. Oder sie gehen von ihrem jeweils spezifischen eigenen Interesse aus — ob nun wirschaftlich oder altruistisch motiviert, spielt dabei kaum eine Rolle — und sähen alle anderen Ansätze am liebsten ihren eigenen Forderungen untergeordnet. In beiden Fällen aber füllt die Debatte sich mit dermaßen vielen verschiedenen Aspekten — auf teilweise weit auseinanderliegenden Schauplätzen —, dass allein deren Sammlung, ohne vertiefte Bearbeitung, bereits ganze Fluten von Workshops zu füllen vermag.

Mobilität verstehen

Wenn wir aber einmal tief in uns und dem Dilemma auf den Grund gehen, abseits von Verteilungskämpfen, Innovationsverbissenheit, Beinahe-Resignation und anthroposophischer Verklärung, können wir zu dem sauberen, aber keinesfalls simplen Schluss gelangen: Unsere Probleme mit der räumlichen Fortbewegung resultieren eigentlich ›nur‹ aus einer vermurksten User Experience. Noch im Jahr 2019 beschweren Diskutanten sich über eigentlich unhaltbare Zustände im öffentlichen Nah- wie im Radverkehr, wo Unbehagen, Bedrohungsängste, Komfortmängel, Netz- und Verbindungslücken, Anti-Service und Ignoranz ihren Nutzeralltag bestimmen. Noch immer kann keiner der kleinen oder großen Mobilitätsdenker eine zufriedenstellende Lösung für die letzte Meile vorweisen, die durch ihren Zwilling, die erste Meile, in jeder Wegekette des Umweltverbunds doppelt ins Gewicht fällt. Noch am Ende des ersten Fünftels des 21. Jahrhunderts bilden Forderungen nach einer Vernetzung von Transportangeboten die Mehrheit in solchen Diskussionsrunden — technisch, räumlich, informationell, aber stets auf dem Niveau »Eigentlich müsste es eine App für alles geben.«

Der Umweltverbund sieht sich bis heute nicht in der Lage, Wegeketten aus einem Guss und mit Tür-zu-Tür-Komfort anzubieten; allerdings nicht, weil er technisch dazu nicht imstande wäre, sondern schlicht und einfach, weil er sich diese Betrachtungsweise bis heute nicht zu Eigen macht. Und doch: Gegen die überragende User Experience des Automobils, für das etwa die Frage nach der letzten Meile sich überhaupt nie gestellt hat, erscheint beinahe kein Kraut gewachsen; umso dringender wäre es, zumindest alle Gelegenheiten zu ergreifen, die eigene Experience zu verbessern. Wenn es überhaupt eine ernstzunehmende Konkurrenz gegen das Wohnzimmer auf vier Rädern geben kann, dann kommt allein das Fahrrad als Herausforderer infrage. Denn mit keinem anderen Verkehrsmittel lassen sich ansonsten bruchfreie Wegeketten darstellen, die genauso nahe an die Haustüren von Start und Ziel heranreichen. Doch erst der Perspektivwechsel, weg vom technokratischen Anlagenbau und hin zum dynamischen Management komfortabler Nutzenerlebnisse, wird überhaupt Erfolgschancen eröffnen.

Verstand investieren

Hier entwickelt spitzenkraft.berlin aktuell die ›Radfahr-Episode‹: Sie basiert auf einem umfassenden Verständnis von Mobilitätskognition und will den gesamten Prozess des Radfahrens einer einzelnen Person anhand eines Weges inklusive kognitivem Vor- und Nachlauf abbilden und dabei die relevanten Einflüsse und Wechselwirkungen erfassen. Sie dient erklärtermaßen nicht dazu, Mengen zu prognostizieren. Stattdessen betrachtet sie das Radfahren aus der Perspektive der Nutzer und ergibt damit ein geeignetes Analysetool, um mithilfe der Nutzer Maßnahmen der Radverkehrsförderung deutlich treffsicherer, weil nutzerfreundlicher zu machen.

  • Typ: Modell
  • Auftraggeber: Eigenprojekt
  • Laufzeit: seit 2018
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Analyse, Konzept, Modell

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