Lumpige 17 Cent

Die Mobilitätswende ist den Städten und Gemeinden nicht viel wert. Zeit für ein bisschen Ehrlichkeit.

Mehr als fünfzehn Millionen Euro müsste die Landeshauptstadt Stuttgart jährlich für Werbung für die Mobilitätswende ausgeben — nur um die mediale Macht der Automobilwirtschaft zu neutralisieren. Denn die lässt sich die Pflege des Images von der ›Freiheit auf vier Rädern‹ per Werbung allein in Deutschland jedes Jahr mehr als zwei Milliarden Euro kosten. Das ergibt rund 25 Euro pro Bundesbürger. Doch der ›leuchtende Stern des Südens‹, wie Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper sein Stuttgart nennt, hat lediglich rund 17 Cent pro Einwohner dafür übrig, die Wandlung vom Auto-Molloch zur halbwegs lebenswerten Stadt kommunikativ zu begleiten.

An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen

Der Klima-Alarmismus kann dieser Tage gar nicht groß genug ausfallen, echte Konsequenzen bringt er indes noch lange nicht hervor. Wer nur ein Dreißigtausendstel aller Ausgaben darauf verwendet, das Thema Mobilitätswende kommunikativ zu bearbeiten — während der motorisierte Verkehr gleichzeitig 30 Prozent aller Klimagasemissionen verursacht —, kann nicht auf echte Effekte hoffen. Noch kann er die übrigen Schäden des Kraftverkehrs vermindern, die fünfzig mal so schwer wiegen. Vielleicht geht es aber auch nur darum, sich ein Alibi zu verschaffen.

Denn so laut wie die Hörner der Apokalypse-Apostel ertönen regelmäßig auch die Fanfaren der vermeintlich zukunftsgerichteten politischen Animateure. Von einem Green New Deal ist da beispielsweise vollmundig die Rede. Die Welt dreht sich dennoch im alten Takt weiter — wen wundert’s. Einbrüche im Energieverbrauch resultieren derweil aus ganz anderen Ursachen, nicht aus dem smarten Management von Ressourcen.

Das Geld liegt auf der Straße

In vielen Einzelthemen der Mobilität schätzen Experten, es stecke genügend Geld im System: Es sei nur nicht adäquat verteilt. Der Volkswirt spricht da von Fehlallokation. Eigene Berechnungen stützen diese Äußerungen: Eine Verlagerung von rund 30 Prozent aller Autofahrten auf das Fahrrad könnte jährlich einen Betrag von 263 Milliarden Euro an gemeinschaftlichem Nutzen stiften. Das ergäb rund 3.188 Euro pro Bundesbürger.

Weshalb aber lässt die Aussicht, 25 Euro pro Einwohner und Jahr in Mobilitätswende-Werbung zu investieren, niemanden jubeln, obwohl die eine Rendite versprechen, die keine Aktie dieser Welt leisten kann? Weil die Mobilitätswende uns eben nur 17 Cent wert ist — also nicht viel mehr als ein paar billige Sonntagsreden. Ganz einfach.