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Storysphäre

Geschichten als mächtige Werkzeuge lassen sich in ihrer Wirkung durch den richtigen Kniff sogar noch steigern.

mods:// 4 Minuten

Soeben erklettert der Plot des Marvel Cinematic Universe (MCU) einen neuen Höhepunkt. Doch ›Avengers: Endgame‹ entlässt das große Rudel der Superhelden damit keinesfalls aufs Altenteil. Der fantastische Kosmos erklimmt lediglich eine neue Stufe.

Wenn alles passt, macht uns das glücklich.

Die Macher führen damit lehrbuchartig vor Augen, worauf es beim Storytelling ankommt, zumal wenn es sich bis hinunter auf die unbewussten, intuitiven Verhaltensweisen auswirken soll: Alles muss einen gemeinsamen Sinn ergeben. Das meint sicherlich nicht die völlige Freiheit von Widersprüchen und von logischen Sprüngen. Immerhin bieten auch solche einen hervorragenden Spielplatz für die eher nerdigen Fans — die sich durch ihre Fehlersuche unter Umständen umso stärker dem Gegenstand zuwenden und sich selbst zum Teil davon machen. Stattdessen geht es aber um den generellen Eindruck von Kohärenz als übergeordnete Prämisse. Denn die bedient das Bedürfnis der Rezipienten nach Passfähigkeit, das jedem Menschen innewohnt, und macht den Stoff auf diese Weise glaubwürdig und eingängig.

Kohärenz lässt sich auf vielfältige Weise herstellen. Die Heldengeschichten nach Comicvorlage beispielsweise verweben ihre Missionen im Kino Stück für Stück miteinander. In jedem Kinofilm taucht neben der Hauptfigur stets mindestens ein weiterer Marvel-Charakter auf und interagiert mit den Protagonisten. Auch in den einzelnen Plots finden sich jeweils Hinweise auf eine gemeinsame, übergreifenden Storyline. Beide Kniffe treiben ein immer größeres Rekordpublikum in die Kinos, insbesondere in solchen Klammer-Filmen, in denen alle Helden eine gemeinsame Mission teilen. Dabei handelt es sich übrigens keineswegs um eine Neuerfindung: Seit dem Bestehen von TV-Serien erreichten die so genannten ›Crossover‹ schon immer die höchsten Einschaltquoten. Das MCU kann aber noch mehr: Mit der Handlung entwickeln auch die Charaktere sich weiter. Marvel signalisiert das auch weniger analytischen Zuschauern deutlich, indem das Studio seine bisher mehr als zwanzig Filme eindeutig bestimmten strategischen Phasen zuordnet.

Homo Narrans

Der schwedische Autor Henning Mankell stellte einst fest: »It struck me as I listened to those two men that a truer nomination for our species than Homo sapiens might be Homo narrans, the storytelling person. What differentiates us from animals is the fact that we can listen to other people’s dreams, fears, joys, sorrows, desires and defeats — and they in turn can listen to ours.« Die Wirkmacht von Geschichten liegt begründet in den Mechanismen, mit denen das menschliche Gehirn Informationen verarbeitet. »Die narrative Psychologie geht davon aus, dass Menschen sich selbst und ihre Umwelt über Geschichten definieren und erklären. Der US-amerikanische Professor Dan McAdams beschreibt Geschichten als identitätsstiftendes Hilfsmittel, mit welchem Menschen mit ihren Wünschen, Überzeugungen und Ängsten über eine Reihe von Ereignissen hinweg umgehen.« Die menschliche Historie gibt dieser Theorie Recht, immerhin gilt das Geschichtenformat bereits seit Jahrtausenden als mächtiger Mechanismus zur Erinnerungsbildung und insbesondere zur Lernförderung. Denn mit Geschichten lassen sich »Werte und Haltungen transportieren, Empathie und Emotionen ausläsen, Identifikation schaffen und all das langfristig im Gedächtnis hinterlegen.«

Noch zusätzliche Durchschlagskraft erhält eine Story, wenn sie sich mit anderen zu einem übergeordneten Spannungsbogen zusammenfügt. Eine echte Storysphäre in diesem Sinne kann große Erfolge feiern, indem sie mehrere, in sich selbst bereits kraftvolle Geschichten erzählt, die miteinander zusammenhängen, die sich wechselseitig beeinflussen und die sich gemeinsam weiterentwickeln.

  • Typ: Modell
  • Auftraggeber: Eigenprojekt
  • Laufzeit: seit 2018
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Analyse, Journalistischer Text, Illustration, Kampagne, Konzept, Modell, Plan, Pressetext, Redaktion, Strategie, Werbetext

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