Im Radfahren zuhause

Damit das Radfahren sich als echte Alternative zum Autofahren präsentieren kann, muss das Radfahr-Erlebnis massiv an Qualität gewinnen. Dafür muss die staatliche Förderung des Radverkehrs aber über sich selbst hinauswachsen.

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Niemand hat jemals von einer staatlichen Aufgabe namens ›Autoverkehrsförderung‹ gehört. Die gibt es auch gar nicht. Es besteht daran keinerlei Bedarf, weil das deutsche Straßenverkehrssystem voll und ganz auf das Auto zugeschnitten ist. Den Radverkehr zu fördern, bedeutet also — und hat schon immer bedeutet —, einen Verlierer nicht vollständig unter die Räder kommen zu lassen.

Radverkehr in der Bedürftigkeitsfalle

Dieser Verlierer, der Radverkehr, sieht sich seit einiger Zeit aber einer — völlig überzogenen — Erwartung gegenüber: Er soll nennenswerte Anteile des Autoverkehrs ersetzen. Wie so oft in der politischen Sphäre folgen dieser Forderung auch hier keinerlei Konsequenzen, beispielsweise in der Form deutlich erhöhter finanzieller Mittel, deutlich veränderter rechtlicher Rahmenbedingungen zugunsten des Radverkehrs oder deutlicher Anstrengungen zu kulturellen Aufwertung des Radfahrens. Mit dem, was beispielsweise der spendabelste Radverkehrs-Akteur in Deutschland pro Jahr für so genannte Fahrradkommunikation ausgibt, würde die Automobilwirtschaft nicht einmal eine halbe Werbekampagne fahren.

Da wundert es nicht, dass in Deutschland die blanke Kleinstaaterei herrscht: Jede Stadt, jeder Landkreis, jedes Bundesland veranstaltet seine eigene Party, mit eigenem Menü, eigenem Programm und eigenem Motto — die meisten eher als schweigendes Schlürfen einer Fastensuppe am Karfreitag — und wundern sich, dass das auf immer weniger Menschen attraktiv wirkt.

Zwei Faktoren führen aktuell dazu, dass immer weniger Menschen regelmäßig — also mindestens ein Mal pro Woche — das Fahrrad für einen Alltagsweg nutzen. Erstens nimmt die Qualität des Radfahr-Erlebnisses immer weiter ab. Wenn Menschen aber für ihre Mühen und für ihre Leidensbereitschaft — beides Voraussetzungen für das tägliche Radfahren — dann nicht einmal ein Zuhause-Gefühl erhalten — und hiermit wirbt die Automobilindustrie bereits seit Jahrzehnten: Wer will ihnen ihren Abstieg dann ernsthaft verübeln? Für ein flächendeckend hochwertiges Radfahr-Erlebnis braucht es aber erstens einheitliche hohe Standards, die weit über die rein technokratischen Straßenbauregeln hinausgehen, die hierzulande gerade so den kleinsten gemeinsamen Nenner bilden.

Reif für ein Franchise

Zweitens wäre Deutschland endlich reif für agiles Management, anstatt weiterhin lediglich Dokumente zu verwalten und zu glauben, die Aufgabe sei damit erfüllt. Beides, die Standards und das Management, kann ein Franchise bieten — und noch einiges mehr. Seine eigentliche Stärke spielt es nämlich dann richtig aus, wenn die Partner, angetrieben von ihrem eigenen Umsatzinteresse im Sinne von mehr Radverkehr, echte Verbesserungen umsetzen und diese jeweils auch auf alle anderen Partner abstrahlen. Der unglaublich leckere Kaffee, den ich in Bielefeld genoss, würde mich auch in Aachen wieder in ein Kaffeehaus dieser Marke locken.

flygge bietet all das. Als neuartiger Franchise-Ansatz in der Radverkehrsförderung, entwickelt von Diplom-Geograph Johannes P. Reimann, sorgt er für eine Professionalisierung und für die Freisetzung von Synergien. Damit multipliziert sich die Wirkung jedes eingesetzten Radverkehrs-Euro, denn er kommt über das Franchise allen Partnern zugute.

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